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10 Thesen
1. Holz ist ein Geschenk der Natur
In jedem einzelnen Baum erzeugt die Natur den einzigartig umweltfreundlichen Rohstoff Holz. Bäume können sehr groß und alt werden, Wälder sind höchst wert- volle und dauerhafte Ökosysteme.
Als nachwachsender Bau- und Werkstoff und auch als Energieträger ist Holz unverzichtbar.
Der Mensch sollte diesen Rohstoff mög- lichst effizient und nachhaltig nutzen. Bäume sind landeskulturell und ökolo- gisch wichtig und wertvoll: im Wald, in der freien Landschaft, in Städten, Parks und Gärten.
2. Holz speichert Kohlenstoff und Energie
Bäume produzieren Sauerstoff und speichern Energie im Holz. Sie entziehen der Atmosphäre das klimaschädliche Gas Kohlendioxid – über ihre gesamte Lebens- dauer hinweg.
Wer vorhandene Wälder schützt, zerstörte Wälder weltweit wiederaufforstet, lang- fristig Holzvorräte aufbaut und sie nach- haltig nutzt, handelt klimagerecht. Dagegen hat die Vernichtung von Wäldern und Holzvorräten dramatische Folgen für die Umwelt und das Klima.
3. Nachhaltige Holznutzung
Die Nutzung von Holz bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Mensch, Natur und Technik. Die Ansprüche an den Wald und seine Produkte sind vielfältig. Wir wollen gleichzeitig eine gesunde Umwelt, den Schutz der Natur, Erholungsräume für die Menschen, aber auch das Holz des Waldes nutzen. Einen tragfähigen Ausgleich für all diese Interessen zu finden, ist eine gesellschaftliche Daueraufgabe und braucht profes- sionelles Management. Zudem bedroht der Klima- wandel mit Extremen an Hitze, Dürre, Stürmen und Starkregen die Existenz unserer Wälder.
Die Gesellschaft muss sich gerade heute darauf verlassen können, dass im Wald kompetent und auch ethisch verantwortlich, naturnah und nachhaltig gehandelt wird. Dafür brauchen wir mehr interdis- ziplinäre und zukunftsorientierte Forschung.
Die berufspraktische und akademische Ausbildung von Fachleuten muss aus einem ganzheitlichen und wertschätzenden Blickwinkel für die Natur heraus erfolgen und darf nicht nur wirtschaftliche Belange berücksichtigen.
4. Holz ersetzt klimaschädliche Materialien
Holz und Holzwerkstoffe können Materia- lien wie Beton, Stahl, Aluminium oder Kunststoffe ersetzen. All diese werden vorwiegend mit fossilen Energien produ- ziert, was die Klimakrise weiter verschärft. Wenn wir aber mehr Holz nutzen und zu hochwertigen, langlebigen Produkten
verarbeiten, werden insgesamt weniger Kohlendioxid und andere Treibhausgase frei. Voraussetzung: das Holz stammt aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern der Region und wird naturschonend und technologisch effizient verarbeitet.
5. Bauen und Wohnen mit Holz ist nachhaltig
Wer baut, trägt kulturelle und ökologi- sche Verantwortung und sollte das Poten- zial des klimafreundlichen Rohstoffs Holz voll ausschöpfen. So wird die im Holz ge- speicherte Energie und der Kohlenstoff über viele weitere Generationen hinweg umweltentlastend und ressourcenscho- nend verlagert: in Häuser, Dachstühle, Wände, Decken, Treppen, Fußböden oder Möbel. Die fachgerechte Sanierung,
Restaurierung und Instandsetzung von Holzanteilen in Gebäuden ist praktischer Klimaschutz. Das schafft hohe Wohn- raumqualität und spart Neubauten, Primärressourcen, Flächen und Energie. Kommunen sollten nachhaltiges und gesundes Bauen durch entsprechende Bauleitpläne unterstützen.
6. Holz ist ein technisches und ästhetisches Multitalent
Neue Technologien machen aus dem höchst vielfältigen Bau- und Werkstoff Holz einen „Wertstoff“. Aus ihm kann eine immer größere Palette von Produk- ten hergestellt werden: von der Geige bis zum Holz-Hochhaus, von der Papier- und Textilfaser bis zum biochemischen Präparat. Hochleistungsfähige Holzwerk- stoffe, innovative Verbindungsmittel oder
industriell vorgefertigte Holzteile tragen zum nachhaltigen und architektonisch anspruchsvollen Bauen, Renovieren und Gestalten bei. Materialgerecht verwendet, verbindet der Wertstoff Holz Natürlich- keit, Funktionalität und Ästhetik in einzigartiger Weise.
7. Holz ist spitze in der Kreislaufwirtscha
Holz ist ideal geeignet für eine ressourcenschonende Kreislaufwirtschaft. Bei mehrfacher, effizienter stofflicher Nutzung dieses Rohstoffs werden andere Primärrohstoffe geschont. Außerdem wird die Energie im Holz lange verfügbar und der gebundene Kohlen- stoff möglichst lange aus der Atmosphäre gehalten. Bei dieser Art von „Kaskadennutzung“ ist der Beitrag von Holz zum Klimaschutz besonders hoch. Holzbauten können am Ende energiearm rückgebaut und einzelne Bauteile wiederverwendet werden.
Gebrauchtes Holz kann in andere Werkstoffe umge- wandelt werden, sofern es nicht mit kritischen Stoffen verunreinigt ist. Hier sind geeignete technische und logistische Verfahren anzuwenden und weiterzuent- wickeln. Wenn Holz am Ende dieses Kreislaufs auch energetisch verwertet wird, müssen dabei hohe ökologische Standards eingehalten werden. Um eine solche Kreislaufwirtschaft zu fördern, brauchen wir auch zielgerichtete steuerliche Anreize und staatliche Vergütungen.
8. Holz ist mehr als nachwachsende Energie
Grundsätzlich ist Holz zu wertvoll, um direkt aus dem Wald heraus in großen Mengen verbrannt zu werden. Hier müs- sen kritische Grenzen beachtet werden. Als ältester Energieträger der Menschheit spielt Holz aber weltweit und auch in ländlichen Räumen von Industriestaaten noch eine große Rolle. Zum Beispiel beim Heizen oder für die Nahrungszuberei- tung. Scheitholz, Hackschnitzel oder Pellets aus nachhaltiger Bewirtschaftung
können leistungs- und zukunftsfähige Energie liefern. Die direkte energetische Verwertung von Waldholz ist in bestimm- ten Situationen sinnvoll. Grundsätzlich ist es anzustreben, Holz erst am Ende vieler stofflicher Verwendungszyklen energetisch zu nutzen. Holz sollte nur in hocheffizienten Heizungsanlagen verfeu- ert werden, auch um unverhältnismäßige Luftverschmutzung zu vermeiden.
9. Holz ist Grundstoff für eine ökologisch fundierte Bioökonomie
Holz ist weltweit der wichtigste nachwachsende Roh- stoff. Die Holzvorräte im deutschen Wald und ihr jährlicher Zuwachs sind erheblich. Wenn wir die Zuwächse nachhaltig abschöpfen und verwerten, verbrauchen wir weniger fossile Rohstoffe, ohne hierfür Ackerflächen nutzen zu müssen. Die Bio- ökonomie fördert die Herstellung umweltverträg- licher Produkte auf der Basis nachwachsender Rohstoffe. Holz aus naturnahen Wäldern ist ein wichtiger Bestandteil einer ökologisch fundierten Bioökonomie und ein Schlüssel für eine möglichst zeitnah anzustrebende post-fossile Wirtschaft.
Statt Holz thermisch zu nutzen, ist es besser, es mehrfach stofflich zu verwerten, um so viele
chemische oder fossile Stoffe zu ersetzen. In Bioraffinerien kann Holz zum Beispiel in Grundstoffe für die chemische Industrie umgewandelt werden. Hochwertige Textilien aus Holzfasern, neue Holzwerk- stoffe auf Lignin-Basis in der Autoindustrie oder Rohmaterialien aus Holz für den 3D-Druck zeigen, welche Zukunftspotenziale in diesem Rohstoff stecken. Auch in der Arznei- und Lebensmittelproduktion können erdölbasierte Grundstoffe durch holzbasierte ersetzt werden. Langfristige landes- und bundesweite Strategien für die Bioökonomie helfen der Volkswirt- schaft, das Suffizienz-Prinzip anzustreben. Das heißt: ein möglichst geringer Rohstoff- und Energieverbrauch in allen Bereichen.
10. Holz braucht generationenübergreifende Verantwortung
Holz nachhaltig zu nutzen und Wald zu pflegen ist Teil der Landeskultur und bedeutet generationen- übergreifend verantwortlich zu denken und zu han- deln. Waldpflege ist eine aktive Investition in die Zukunft, die neben dem Holzertrag auch positive ökologische und landes- oder soziokulturelle Auswirkungen hat. Transferleistungen müssen an zukunftsfähige Kriterien gekoppelt sein.
Alle Waldeigentümer tragen dafür Verantwortung und müssen Botschafter für Nachhaltigkeit werden. Waldbezogene Gesetze und Vorschriften sollten langfristig und verlässlich formuliert sein.
Strukturen und Kompetenzen in staatlichen Forstver- waltungen und -betrieben sollten überdacht und private Waldeigentümer unterstützt werden. Denn fast die Hälfte des deutschen Waldes ist in privater Hand. Um ihn an den Klimawandel anzupassen und für die Nachkommen zu erhalten, sind Eigentümer auf den Holzverkauf, den fundierten Wissenserwerb und auf kompetente Beratung angewiesen. Auch im interna- tionalen Zusammenhang dürfen wir kurzfristige, spekulative Interessen und „Land Grabbing“ im Wald und bei der Holznutzung nicht dulden. Regional und nachhaltig produziertes Holz verhindert Raubbau und Naturzerstörung in anderen Teilen der Welt.
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