Diskussionsbeitrag
Luft und Wasser
Probleme unserer Zeit und was wir zum Leben brauchen
Wasserqualität
Ohne Wasser überlebt ein Mensch vielleicht vier Tage, selten länger. Umso wichtiger müsste es den Menschen eigentlich sein, ihre wichtigste Ressource zu schützen. In Deutsch land ist sie so reichlich vorhanden und so rein wie in den wenigsten Ländern der Welt. Bislang jedenfalls. Inzwischen ist mehrfach darüber zu lesen, dass Pestizide, Düngemittel und Medikamente auch deutsches Trinkwasser belasten.
Im April 2014 war in der Süddeutschen Zeitung ein Bericht zu lesen, von Marc Wiedmann, über belastetes Trinkwasser in Deutschland, mit dem Titel "Es stinkt zum Himmel". Auf deutschen Äckern werden zuviel Gülle und Gärreste aus Biogasanlagen ausgebracht.
„Weil Deutschlands Bauern zu viel düngen, ist die Nitrat-Belastung in einem Viertel aller Trinkwasser-Reservoirs deutlich höher als erlaubt. Die Folgen können schwerwiegend sein: Nitrat ist zwar kein tödliches Gift, aber es kann bei Säuglingen den Sauerstofftransport behindern, bis sie blau anlaufen, bei Erwachsenen könnte Krebs entstehen. Verschärft wird das Problem durch den Boom einer Branche, die sich so grün an hört: die Biogas-Branche. Fast 8000 Anlagen gibt es. Dort wird Mais ver goren oder Gülle, übrig bleiben sogenannte Gärreste, die ebenfalls voller Stickstoff sind. Ums Düngen geht es dabei oft gar nicht mehr, wie Rüdiger Wolter vom Umweltbundesamt bestätigt, sondern nur darum, den Abfall loszuwerden. Doch Gülle plus Gärreste, das ist zu viel fürs Wasser.
Die Folgen lassen sich bundesweit nachweisen. 27 Prozent der Grundwasserreservoirs sind laut der jüngsten Erhebung im Jahr 2010 in schlechtem Zustand, weil sie den Nitrat-Grenzwert teilweise erheblich überschreiten. Als Faustregel lässt sich ableiten: Dort, wo die Viehhaltung besonders geballt ist, wo besonders intensiv Gemüse angebaut wird oder wo viele Biogasanlagen stehen, geht es dem Grundwasser schlecht."
Wie bei vielen Fehlentwicklungen reicht es auch hier nicht aus, mit dem Finger zu zeigen und den Bauern und Landwirten die Verantwortung für die Verschlechterung der Trinkwasser-Qualität zuzuschreiben, denn es ist auch wieder nur ein Bei spiel, für die Unbedachtheit im Umgang mit dem lebensnotwendigen Gut Wasser.
Jeder kann einen Beitrag leisten durch bewussten Konsum. Wie den Kauf von frischen lokalen Lebensmitteln und Verzicht auf Plastik, wo immer es möglich ist. Sowie die Verwendung von biologisch abbaubaren Universal-Reinigungsmitteln, anstatt der viel beworbenen diversen chemischen "SpezialReiniger".
Es ist eine Illusion zu glauben, das Rad sei einfach zurückzudrehen – es bleibt nur die Einsicht in Zukunft sich anders zu verhalten.
Luftqualität
Die Weltgesundheitsorganisation WHO veröffentlicht bedenkliche Ergebnisse zu den Themen Luft und Wasserverschmutzung. Neu entdeckte gesundheitliche Auswirkungen von Luftverschmutzung machen größere Anstrengungen zur Reinhaltung der Luft in der Europäischen Union erforderlich.
Die Luft zum Atmen verliert zunehmend an Qualität, diese Feststellung ist nicht neu. Neu hingegen ist, was die WHO in einem neuen Report veröffentlicht hat. Die Langzeitexposition gegenüber Feinstaub (PM2,5) kann zu Arteriosklerose, ungünstigen Geburtsergebnissen und Atemwegserkrankungen im Kindesalter führen.
Wie aus der 2014 veröffentlichten Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hervorgeht, gab es im Jahr 2012 laut Statistik 7 Millionen Tote, die an den Folgen der Luftverschmutzung verstarben. Das wäre ein Achtel aller Todesfälle. Wie kommt es zu dieser katastrophalen Bilanz der Weltgesundheitsorganisation? Laut Pressestelle hat die WHO die Emissionsdaten aus Satellitenaufnahmen, Bodenmessstellen, Modellberechnungen der Luftbewegungen und bekannten Emissionsdaten mit den jüngsten Statistiken zu den Todesursachen in Beziehung gesetzt und dabei wohl die Ergebnisse von epidemiologischen Daten verwendet. Diese haben ergeben, dass verschiedene Umweltschadstoffe das Sterberisiko an Herz-Kreislauferkrankungen und Krebs erhöhen.
Die Menschen sind, der WHO zufolge, keineswegs nur durch Schadstoffe in der Außenluft gefährdet. Wesentlich höher sei in vielen Regionen die Gefährdung durch Emissionen im Haus halt. Dies liegt daran, dass drei Milliarden Menschen ihr Essen an offenen Feuerstellen zubereiten und ihre Wohnungen durch Öfen beheizen, in denen sie neben fossilen Brennstoffen wie Kohle, auch Biomasse wie Holz, Dung oder Pflanzenreste, ver feuern. Die dadurch freigesetzten Luftschadstoffe verkürzen die Lebenserwartung.
Die WHO schätzt, dass weltweit 2012 etwa 3,8 Millionen Menschen an den Folgen der schlechten Luftqualität in Innenräumen gestorben sind. Besonders gefährdet sind ärmere Frauen und Kinder, da sie sich häufig längere Zeit in Innenräumen aufhalten, als ihre erwerbstätigen Männer. Weitere 3,7 Millionen Menschen sind der WHO zufolge 2012 an den Folgen hoher Schadstoffbelastung der Außenluft ums Leben gekommen. Die WHO führt dies heute weniger auf Gase wie Stickstoffmonoxid oder Schwefeldioxid zurück als auf die Exposition mit Feinstaub (PM10), der über die Atemwege in den Körper eindringt und keineswegs nur die Lungen schädigt. Der Report schätzt, dass jeweils 40 Prozent der durch die Verschmutzung der Außenluft verursachten Todesfälle auf ischämische Herzkrankheiten und Schlaganfälle entfallen.
Die schlechteste Luft atmen die Menschen in den WHO-Regionen Südost Asien und Westpazifik ein. In diesen Regionen starben 2010 laut WHO 3,3 Millionen Menschen an den Fol gen der hohen Schadstoffbelastung in der Innenluft und 2,6 Millionen Menschen an den Folgen der hohen Schadstoffbelastung in der Außenluft. Das sind 5,9 von weltweit insgesamt 7,5 Millionen durch Luftschadstoffe bedingte Todesfälle. Deshalb wird in der Untersuchung der WHO eine Überarbeitung der Luftgüteleitlinien für Feinstaub bis 2015 empfohlen. In dem Bericht werden auch wei tere Änderungen am EU-Recht empfohlen, zumal der gegenwärtige Grenzwert für PM2,5 in der Luftqualitätsrichtlinie der EU doppelt so hoch ist wie der dafür empfohlene Grenzwert in den Luftgüteleitlinien. Für Maria Neira, die Direktorin der WHO-Abteilung für öffentliche Gesundheit und Umwelt, steht fest, dass es nur wenige Risiken gibt, die heute einen größeren Einfluss auf die Gesundheit haben, als die Luftqualität, die in vielen Ländern dringend verbessert werden müsse.
Quelle: Ärzteblatt 24. Februar 2014 www.aerzteblatt.de
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Autor: Renée Schulz
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