Diskussionsbeitrag
Wasserverschmutzung mit Plastik
Nach neuesten Schätzungen der WHO sterben jährlich ca. 3,2 Mio. Menschen an Krankheiten, verursacht durch verschmutztes Wasser, das macht ca. 6 % aller Sterbefälle in der Welt aus.
Weniger als 3% des verfügbaren Wassers auf der Erde ist Süßwasser. Noch dazu ist diese winzige Menge meist unzugänglich und zunehmend durch Landnutzung, rasches Bevölkerungswachstum und Klimawandel bedroht. Die Qualität dieses Wassers wird darüber hinaus noch durch eine immer stärker werdende Umweltverschmutzung bedroht.
Auf der Erde gibt es 1.500.000.000 Milliarden Liter Wasser. Trotzdem ist die Hälfte der Weltbevölkerung heute schlechter mit Wasser versorgt, als die Bewohner Roms vor 2000 Jahren. Mehr als eine Milliarde Menschen müssen täglich verschmutztes Wasser trinken. Laut der WHO sind 88 % aller Erkrankungen auf verschmutztes Trink und Brauchwasser zurückzuführen.
Auch wenn die Verschmutzung von Grundwasser, Flüssen, Seen, Meeren und Oberflächengewässern mit teilweise giftigen Substanzen allgemein Gewässer-Verschmutzung genannt in Deutschland ein Straftatbestand ist und offiziell als gesetzeswidrige Gewässerverschmutzung bezeichnet wird, gibt es ein ungelöstes globales Problem.
Rund 500 Millionen Tonnen Abfall werden jährlich im Meer entsorgt. Davon sind ca. 6 Millionen Tonnen Plastik. Dieses Plastik treibt im Meer umher, bis es irgendwann wieder an den Stränden dieser Welt angespült wird. Auf jeden Quadratkilometer Meer kommen umgerechnet ca. 13.000 verschiedene Abfälle. Durch die Meeresströmungen sammelt sich das meiste Plastik in riesigen Müllstrudeln im Ozean. Der Plastikmüll sammelt sich im Meer und an Land, wird von Tieren als Fressen erkannt und landet in der Nahrungskette.
Im Nordpazifik zwischen Kalifornien und Hawaii gibt es einen Meeresstrudel von der Größe Mitteleuropas. Er hat traurige Berühmtheit erlangt als gigantischer Müllteppich. Boote mit Schleppnetzen, in denen der Müll hängenbleibt, machen das Ausmaß der Verschmutzung sichtbar. Überall im Wasser findet man Kunststoffabfälle. Sie stammen von Schiffen, aus Flüssen oder von den Küsten Nordamerikas und Asiens.
Ihre Anzahl übertrifft das Plankton um ein Vielfaches. In manchen Regionen kommen auf ein Teil Plankton schon 60 Teile Plastik. Das Problem ist, dass dieser Müll nicht verrottet. Es gibt kein Bakterium, das ihn ab baut. Stattdessen wird er durch die Einwirkung von Sonnenlicht, Salz und mechanische Kräfte zerkleinert. Man kann ihn nicht mehr aus dem Meer entfernen und jedes Jahr kommen weltweit mehr als sechs Millionen Tonnen Plastikmüll hin zu. Die Mikropartikel sind mit bloßem Auge nicht sichtbar, aber sehr gefährlich, da sich an ihrer Oberfläche Umweltgifte in hoher Konzentration anlagern. Einige mit Plastikpartikeln verbundene Gifte ließen sich schon in Krebstieren und Vögeln nachweisen. Es ist also zu befürchten, dass diese Stoffe irgendwann auf unseren Tellern landen.
Es gibt jedoch auch giftige Substanzen, die integraler Bestandteil von Kunststoffen sind. Wenn sie sich aus dem Material lösen, können sie den Menschen schädigen. Dazu gehören die sogenannten Weichmacher und vor allem die Chemikalie Bisphenol A. Sie kommt in vielen Gegenständen des täglichen Gebrauchs vor. Der Toxikologe Gilbert Schönfelder sagt: "Bisphenol A ist bedenklich, weil es als Hormon gilt. Es ist eine Chemikalie, die dem weiblichen Hormon Östrogen ähnlich ist, und somit im menschlichen Körper zu Interaktionen führen kann." Bisphenol A kann schon in winzigen Mengen den Hormonhaushalt beeinflussen. Es befindet sich in Getränkeflaschen, aber auch in der Beschichtung von Konservendosen. Die Liste der Gefahren ist lang. Hohe Bisphenol A-Werte mindern die Spermienqualität bei Männern und bei Frauen steigt die Unfruchtbarkeit. Weitere unerwünschte Nebenwirkungen sind Gewichtszunahme, Diabetes und Herz Kreislauferkrankungen. Dabei ist Bisphenol A nur ein Beispiel für einen Cocktail von Kunststoffchemikalien, denen der Mensch täglich ausgesetzt ist.
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Autor: Renée Schulz