Diskussionsbeitrag
Klimaschutz und Armutsbekämpfung gehören zusammen
Neue Studie des Forums Ökologisch Soziale Marktwirtschaft
Eine neue Studie des Forums Ökologisch Soziale Marktwirtschaft zeigt: Klimaschutz und
Armutsbekämpfung lassen sich durch gezielte politische Maßnahmen wirkungsvoll verbinden.
Entscheidend sind dabei bessere Infrastruktur, verlässliche Mobilitätsangebote und energieeffiziente
Gebäude, um sozial gerechte Klimapolitik zu ermöglichen.
Energie, Mobilität und Ernährung bestimmen für viele Menschen einen großen Teil der
Lebenshaltungskosten und sind zugleich zentrale Hebel der Klimapolitik. Die Studie des FÖS zeigt:
Klimaschutz und Armutsbekämpfung lassen sich wirkungsvoll miteinander verbinden. Dafür
müssen politische Maßnahmen die strukturellen Lebensrealitäten der Haushalte berücksichtigen und
gezielt bei Zugängen, Infrastruktur und Handlungsspielräumen ansetzen.
Die Studie untersucht, wie Klimaschutzmaßnahmen mit Energie-, Mobilitäts- und
Ernährungsarmut zusammenwirken und identifiziert Maßnahmencluster, die klimapolitisch wirksam sind
und diese kritischen sozialen Aspekte besser berücksichtigen.
Armut ist mehrdimensional und eng mit Infrastruktur verknüpft
Kostenbelastungen, eingeschränkte Zugänge, schlechte Infrastruktur und Alltagsroutinen greifen in
allen drei Bereichen schlecht ineinander. Fehlende Verkehrsanbindung, mangelhafte Nahversorgung
oder energetisch schlechte Wohnsituationen können gut gemeinte finanzielle Entlastungen wirkungslos
machen. Eine zentrale Erkenntnis: Sozialpolitik muss sowohl die Angebots- als auch die
Nachfrageseite stärken, um Haushalten echte Handlungsmöglichkeiten zu eröffnen.
„Unsere Untersuchung zeigt klar: Sozial gerechte Klimapolitik braucht strukturelle Veränderungen:
Bessere Infrastruktur, verlässliche Mobilitätsangebote, energieeffiziente Gebäude und eine bezahlbare,
nachhaltige Ernährung. Viele Haushalte können ihr Verhalten gar nicht anpassen, selbst wenn
finanzielle Anreize bestehen. Entscheidend ist daher, Zugänge zu schaffen, Barrieren abzubauen und
Maßnahmen präzise auf sozial und räumlich definierte Zielgruppen auszurichten. Beispielsweise
bei der neuen Kaufprämie für E-Autos hat die Bundesregierung das mit der sozialen Staffelung der
Förderung teilweise berücksichtigt. Es gibt noch viele weitere ungenutzte Potenziale, mit Klimaschutz
soziale Teilhabe zu stärken, statt sie zu gefährden.“, erläutert Matthias Runkel, Leiter des
Studienvorhabens.
Synergien zwischen Klimaschutz und Sozialpolitik sind groß
Die Analyse zeigt zahlreiche Überschneidungen von sozialen und ökologischen Zielen, zum Beispiel:
- Energieeffizienzmaßnahmen an Gebäuden und in den Haushalten senken sowohl Emissionen
als auch Energiekosten. - Weniger Autoabhängigkeit entlastet Haushaltsbudgets und verbessert die Klimabilanz.
- Klimafreundliche Gemeinschaftsverpflegung fördert Gesundheit und Emissionsreduktionen
gleichzeitig.
Carolin Schenuit, geschäftsführende Vorständin des FÖS, ordnet die Ergebnisse
ein: „Die jüngst vorgestellten Eckpunkte zum Gebäudemodernisierungsgesetz setzen stark auf
Technologieoffenheit und individuelle Entscheidungsfreiheit. Dadurch wächst die Verantwortung der
Politik, soziale Folgen konsequent mitzudenken, damit nicht viele Mieter*innen in einer Kostenfalle
landen. Ohne zielgenaue Unterstützung drohen steigende Kosten für Energie, Mobilität und Ernährung
besonders Menschen mit niedrigen Einkommen weiter zu belasten. Wir brauchen dringend eine
Klimapolitik, die ökologische Wirksamkeit mit sozialer Fairness verbindet – sonst verspielen wir
Akzeptanz und Momentum für die Transformation.“
Zielgenaue Maßnahmen und einfache Zugänge erhöhen die Wirksamkeit
Dank verbesserter Datenlage durch EU-Vorgaben für Energie- und Mobilitätsarmut können politische
Maßnahmen schon heute zielgerichteter gestaltet werden – sozial wie räumlich. Bei der
Ernährungsarmut fehlen diese Daten jedoch noch weitgehend.
Komplizierte Verfahren, hohe Umsetzungshürden und fehlende Ansprache verhindern außerdem, dass
besonders bedürftige Haushalte profitieren. Niedrigschwellige Zugänge und klare Kommunikation sind
daher zentrale Voraussetzungen für eine sozial wirksame Klimapolitik.
Die Studie steht hier zum Download bereit
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Quelle: Sonnenseiten Franz Alt 2026