Nachhaltigkeit im Wald - Chance für einen gesellschaftlichen Pilotdialog
Der Begriff Nachhaltigkeit hat in der Forstwirtschaft eine lange Tradition. Gemeint war damit ursprünglich eine wissenschaftlich fundierte, stetige Holzproduktion. Im Zuge der Zeit wurde das Konzept der stetigen Produktion um weitere Produkte, Waldfunktionen genannt, erweitert.
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Wurzeln der forstwirtschaftlichen Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit im Wald - Chance für einen gesellschaftlichen Pilotdialog
Die Forstwirtschaft spielt in der Geschichte des Begriffs Nachhaltigkeit eine herausragende Rolle. Als Urvater des Gedankens gilt der kursächsische Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz (1645-1714). Vor dem Hintergrund zunehmender Holznot strebte er in seinem Werk „Sylvicultura Oeconomica" von 1713 eine „continuierliche, beständige und nachhaltende Nutzung" an.
Holz war damals eine weitaus grundlegendere Ressource als heute. Auf Reisen lernte er, dass die Holzknappheit überall in Europa eines der vordringlichsten Probleme der Zeit war. "Binnen wenig Jahren ist in Europa mehr Holtz abgetrieben worden, als in etzlichen seculis erwachsen", schrieb er in seinem Buch. Das Ende dieser Entwicklung sei leicht abzusehen. Schon Melanchthon habe ein "Zorn-Gericht des grossen Gottes" prophezeit, "daß nehmlich am Ende der Welt man an Holtze grosse Noth leiden werde" (zitiert nach Grober 1999).
Sein Werk zeigte Wirkung. Die Forstleute der Goethezeit machten den Gedanken der Nachhaltigkeit zur Grundlage ihrer Wissenschaft. Johann Heinrich Cotta (1763-1844) war ein einflussreicher Verfechter der nachhaltigen Waldwirtschaft. Er gründete die Forstakademie in Tharandt. Aber auch in Eberswalde in Preußen und an anderen Hochschulen wurde das Konzept weiter ausgearbeitet. Die deutsche Forstwissenschaft erreichte im Laufe des 19. Jahrhunderts weltweite Geltung und über das Wirken der Absolventen deutscher Forsthochschulen erreichte das Konzept der Nachhaltigkeit Russland, Skandinavien, Frankreich, die USA, Indien und andere damalige britische Kolonien (Grober 1999).
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