Was Nachhaltigkeit für mich bedeutet

Nachhaltigkeit ist ein oft strapazierter, dehn- und interpretierbarer Begriff. Neben den offiziellen Definitionen trägt der Begriff für jeden von uns eine ganz individuelle Bedeutung. Unter der Überschrift "Was Nachhaltigkeit für mich bedeutet", ist jeder aufgefordert, seine ganz persönliche Sichtweise kundzutun, ganz ohne allgemeingültigen oder wissenschaftlichen Anspruch, sondern rein emotional.

 

 

Ganzheitlich denken

Nachhaltigkeit bedeutet für mich ganzheitliches Denken. Es bedeutet, sich darüber Gedanken zu machen, welche Auswirkungen unser Tun und Handeln auf unsere Mitmenschen, unsere Umwelt heute und in Zukunft haben kann. Daraus gilt es die entsprechenden verantwortungsvollen Konsequenzen zu ziehen und Wege zu finden, wie man Nutzung und Schutz, Mensch, Natur, Kultur unter einen gemeinsamen Hut bekommt.

Eva Krause, Ismaning, 2011

 

Für die Zukunft planen

Nachhaltigkeit ist für mich, wenn
(1) Erfolg nicht mehr nur zuwachsorientiert wahrgenommen wird,
(2) wir uns gerecht gegenüber künftigen Generationen verhalten und
(3) so planen, dass auch in Zukunft dieser eine Planet für die Menschheit ausreicht.

Gerhard Müller-Starck, Freising, 2011

 

Fragen stellen

Die alltägliche Schuld

Im Gespräch mit Großeltern und Schwiegervater entdecke ich häufig in mir diese latente Schuldzuweisung was den Umgang mit den jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern betrifft: wieso habt ihr nichts unternommen, wie könnt ihr nichts davon gewusst haben, warum habt ihr diese Menschen, die mitten unter euch lebten, so im Stich gelassen? Natürlich waren diese netten älteren Herrschaften, mit denen ich mich unterhalte, keine KZ-Aufseher, NSDAP-Funktionäre oder SS-Mitglieder. Sie haben eben nur möglichst bequem vor sich hin gelebt und keine Fragen gestellt.

Jetzt, wo ich selbst Mutter und somit auch potenzielle Großmutter bin, frage ich mich, ob unsere Kinder und Kindeskinder uns nicht genau dieselben Vorhaltungen werden machen können: wie könnt ihr nichts davon gewusst haben, dass euer Lebensstil auf Kosten der Menschen in ärmeren Ländern wie auch auf Kosten der nachfolgenden Generationen ging? Warum habt ihr diese Menschen, die auf sinkenden Booten übers Mittelmeer nach Norden kamen, so im Stich gelassen? Natürlich habt ihr lieben Alten keine Sweatshops betrieben, keine Wälder gerodet, keine Hedge-Fonds gehandelt. Ihr habt bloß möglichst bequem vor euch hin gelebt und keine Fragen gestellt.

Sophie Urmetzer, Freising, 2011

 

Verantwortlich leben

Nachhaltigkeit bedeutet für mich unsere, ja die globale, menschliche Lebensweise und jegliche Kultur verantwortbar mit zu gestalten.

Also bewusst und wohlüberlegt zu leben, nicht von kurzatmigem Zeitgeist, von Wirtschaft, Werbung und Ideologien unbewusst gesteuert zu werden.

Nachhaltiges Leben bezieht seine Maßstäbe aus einem zukunftsfähigen, würdezentrierten Wertekosmos, der gerichtet ist auf Schonung endlicher Ressourcen und auf universale Geltung.

Das Prinzip Nachhaltigkeit gilt für alle Lebensbereiche: für die Politik ebenso wie für die Wirtschaft, für die Wissenschaft ebenso wie für alle Teile der Alltagskultur.

Menschengemäße Nachhaltigkeit erfordert aus heutiger Sicht und in Anbetracht endlicher Ressourcen einen vielfachen, teilweise radikalen Wandel im Denken und im Handeln.

Dabei gilt es, Wohlstand nicht mit einem grenzenlosen Ressourcen verschwendenden Wachstumsbegriff zu verbinden, sondern mit einem Denken und Handeln, das auf wirkliche Lebensqualität mit gesicherten, teilweise neuen Arbeitsplätzen und langfristiger sozialer Sicherung ausgerichtet wird und nicht nur an der Steigerung des nominellen Bruttosozialprodukts gemessen wird.

Es geht um eine optimistische und gleichwohl realistische Grundhaltung jenseits von Technikfeindlichkeit und ständiger Katastrophenangst, aber auch jenseits von Wirklichkeits- und Gefahrenblindheit.

Eine so verstandene Nachhaltigkeit ist und bleibt Aufgabe für jeden Einzelnen und seine Vernetzung und als subsidiär-zentrales Thema Aufgabe für Politik, Wirtschaft und verschiedene Teilkulturen wie Wissenschaft und Medien.

Alfred Müller, Gröbenzell, 2011